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Ökobilanzvergleich Fahrrad-Pedelec


In Deutschland gibt es ca. 79 Mio. Fahrräder. Alleine 2020 kamen 5 Mio. dazu. Mehr als jedes Dritte mit Elektroantrieb. Wie aber ist die Ökobilanz von E-Bikes und Pedelecs im Vergleich?
Rahmen und Komponenten stammen fast ausschließlich aus Südostasien. Jedes zweite Fahrrad wird komplett importiert. Die Umweltbelastungen der Fahrradfabriken und ihrer Zulieferer vor Ort sind oft nicht genau bestimmbar. Die größte Umweltbelastung geht vom Aluminium aus, aus dem ca. 90% aller Rahmen gefertigt werden. Denn für dessen Herstellung wird Bauxit benötigt, welches oft mit massiver Umweltverschmutzung abgebaut wird. Zudem benötigt die Aluminiumherstellung große Mengen an Energie. Deswegen hängt der Co2 Rucksack eines Fahrrades sehr vom Strom ab, der für die Herstellung genutzt wird. In Taiwan, wo Fahrräder in großen Mengen produziert werden, stammt der Strom zu 80% aus Fossilen Quellen. In Kambodscha dagegen, dem Lieferanten für klassische Fahrräder, ist der Strom schon zu 65% Grün. Ungarn, der führende Lieferant für Elektrofahrräder hat nur 15% grünen Strom. Wenn man die Atomkraft als Co2 arme Stromerzeugung dazuzählt, sind es 37%. Und importiert man ein Fahrrad aus Asien, fallen natürlich auch noch Transportemmissionen an. Ein Fahrrad aus Kambodscha hat ca. 9000 km Luftlinie zu überbrücken, während ein in Ungarn hergestelltes Fahrrad einen 10x kleineren Weg bis zu uns hat. Was Komponenten wie LED Lampen, Schutzbleche, Kunststoffgriffe, Gepäckträger etc. angeht: Diese gibt es beim Fahrrad wie beim E-Bike gleichermaßen.
Den größten Co2 Anteil hat der E-Bike Akku. Laut Umweltbundesamt werden bei seiner Herstellung ca. 55 kg Co2 pro Kwh freigesetzt. Das ist so viel wie ein VW Golf 8 laut Volkswagen auf 540 km ausstößt. Ein gewöhnlicher Fahrradakku hat eine Kapazität von ca. 0.5 Kwh. Somit hat man, wenn man mit dem E-Bike seine Autofahrten ersetzt, schon nach 270 km den Batterie Co2 Rucksack abgelegt. Natürlich müsste man aber noch die Ökobilanz der Rohstoffe mit einrechnen, die für den Bau der Speicher benötigt werden. Alleine für die deutsche E-Bike Welle 2020 wurden ca. 118 Tonnen Lithium, 940 Tonnen Elektrolyt, 410 Tonnen Kobalt, 350 Tonnen Nickel, 350 Tonnen Mangan und 4620 Tonnen anderer Materialien benötigt. Glücklicherweise sind Lithium-Akkus heute sehr gut recycelbar, Recyclingquoten von 96% sind heute schon möglich, 70-80% Standard.
Wie sieht es aber im Fahrbetrieb aus? Ein 500Wh Akku kann seinen Fahrer je nach Unterstützungsstufe 50-100 km weit bringen. Wenn man immer mit der höchsten Leistung fährt, benötigt das Elektrofahrrad ca. 1 Kilowattstunde Energie auf 100 km. Das ist 15 x weniger Energieverbrauch als ein sparsames Elektroauto und 70 x weniger als ein Verbrenner, wenn man alle Vorketten wie die Ölförderung und Benzinherstellung mit einrechnet. Lädt man den Akku mit Ökostrom aus der Photovoltaikanlage beispielsweise, sind die Fahremmissionen sehr gering. Lädt man den Akku über die Steckdose mit dem deutschen Strommix der heute erst zu 45% Grün ist, fallen ca. 3,3 Gramm Co2 pro Kilometer an. Natürlich müsste man hier auch noch den Co2 Fußabdruck der Nahrung des Fahrers in die Rechnung mit einbeziehen, diese ist jedoch zu vernachlässigen. Sicher ist: Ein E-Bike, welches ein Auto ersetzt, ist immer ein Gewinn in Sachen Co2 Vermeidung, besser ist allerdings das Fahrrad ohne Motor. Aber je mehr grünen Strom wir erzeugen und je umweltfreundlicher wir die Akkus herstellen, desto kleiner wird der Unterschied.