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Kobalt - Schuften Kinder für unsere Elektroautos?


Kobalt ist ein extrem harter und temperaturbeständiger Rohstoff, weswegen sein Einsatz bei der Herstellung von besonders verschleißfesten und hitzebeständigen Eisenlegierungen für die Industrie unabdingbar ist. Besonders für die Produktion von Schneidwerkzeugen, Hochleistungsbohrern oder künstlichen Gelenken, aber auch für den Bau von gehärteten Autoteilen wie Kurbelwellen, Pleulstangen, Nockenwellen und Ventilsitzringen, Flugzeugtriebwerken und Turbinen wird Kobalt eingesetzt. Daneben findet das Element in Legierungen für den 3D-Druck, bei der Fertigung von Katalysatoren, beispielsweise zur Entschweflung von Benzin, sowie bei der Produktion von Farben und als Bestandteil von modernen Lithium-Ionen-Akkus Verwendung, die wir tagtäglich nutzen.


Derzeit werden laut United States Geological Survey rund 100.000 Tonnen Kobalt im Jahr gefördert. In der Demokratischen Republik Kongo gibt es mit Abstand die größten Kobalt-Vorkommen (ca. 3,4 Millionen Tonnen), das Land ist der größte Produzent weltweit: Von dort stammen rund 64 Prozent des Rohstoffs, welcher zu 80% als Nebenprodukt des industriellen Kupfer- und Nickelabbaus im Tagebau gewonnen wird.

Problematisch sind die restlichen 20% des Kobalts, welche aus illegalem artesanalen Kleinbergbau stammen. Dort arbeiten teilweise auch Kinder unter schwierigen Bedingungen in selbst gegrabenen Minen oder suchen in weggeworfenen Abfallprodukten industrieller Minen nach Kobalt und waschen und sortieren Erze, bevor sie weiterverkauft werden.
Dies stellt einerseits ein Problem für die Menschen dort dar, Tatsache ist jedoch auch, dass diese Arbeit ihnen eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit ermöglicht.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Kinderarbeit beim Kobaltabbau niemanden interessiert hat, bevor Kobalt in Elektroautos verbaut wurde. Denn Zwischen 2005 und 2017 wurden weltweit 1,5 Millionen Tonnen Kobalt gefördert, zum großen Teil aus dem Kongo. Davon werden erst seit Kurzem ungefähr acht Prozent in E-Autos verwendet, zuvor gab es kaum Autos mit Lithium-Ionen Akkus auf dem Markt.

Das die Welt nun so genau auf den Abbau der Metalle schaut hat jedoch auch positive Seiten. Die Autohersteller und Regierungen nehmen das Thema inzwischen ernst und in den letzten Jahren hat sich einiges verbessert. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kontrolliert regelmäßig die Minen im Kongo gemeinsam mit einer Reihe anderer, international tätiger Organisationen. Nach ihrer Aussage werden 80% des Kobalts von großen, internationalen Unternehmen abgebaut, die sich in der Regel an die weltweit gültigen Vorschriften halten. Von diesen Unternehmen beziehen alle namhaften Batteriehersteller ihr Kobalt.


Mercedes bezieht sein Kobalt inzwischen nur noch aus zertifiziertem, großindustriellem Abbau (HIER)
Volkswagen setzt sich für verbesserte Arbeitsbedingungen im Kleinstbergbau ein und trat einer Industrieinitiative von Ford bei, um die Herkunft von Kobalt nachverfolgen zu können. (HIER) und (HIER)
BMW bezieht sein Kobalt nun aus Marokko (HIER)

Wie sieht es in Zukunft aus? Seit Jahren schon sinkt die Verwendung von Kobalt in Akkus kontinuierlich. Die Autohersteller haben ein großes Interesse daran, Akkus ohne Kobalt zu verbauen, denn es ist schlicht zu teuer. Die Chinesischen Hersteller haben hier inzwischen Pionierarbeit geleistet und 2020 schon die ersten Autos mit Kobaltfreien LFP Akkus auf den Markt gebracht. BYD beispielsweise verbaut seit 2020 seinen neuen, Kobaltfreien und brandsicheren "Blade" Akku. (HIER)

Great Wall Motors nutzt Akkus ohne Kobalt vom Tochterunternehmen SVOLT. (HIER) oder (HIER)
Die in Chinas Tesla-Gigafactory gefertigten E-Autos nutzen inzwischen die neuen Kobaltfreien Akkus von CATL. (HIER)
VW plant ebenfalls kobaltfreie Akkus zu verbauen. (HIER)
Und auch Mercedes plant ab 2025 kobaltfreie LFP-Akkus zu verwenden (HIER)

Ein neuer, interessanter Ansatz Kobalt zu gewinnen: Bei Laborversuchen konnte das Metall nun mit Hilfe von Säureliebenden Bakterien aus Bergbaurückständen aus dem Harz gewonnen werden (HIER)


Lasst uns gemeinsam gegen Sklaven- und Kinderarbeit vorgehen. Kein Mensch sollte ausgebeutet werden, weder für Gold, Silber, Tantal, Platin, Kobalt, noch für Bananen, Tee, Kaffee, Kakao, Kleidung, Teppiche, Make-up, Leder, Kautschuk... Kauft fair und fahrt elektrisch. Am besten mit Kobaltfreien Akkus.


Informationen zum Thema Kinderarbeit findet ihr (HIER) und (HIER) und (HIER)

Weiterführende Links:


https://de.wikipedia.org/wiki/Cobalthttps://graslutscher.de/warum-es-meistens-unertraegliche-heuchelei-ist-wenn-besitzern-von-e-autos-das-kobalt-in-den-akkus-vorgerechnet-wird/
https://edison.media/erklaeren/kinderarbeit-in-minen-weniger-e-autos-sind-auch-keine-loesung/22671726.html
https://edison.media/erklaeren/kobalt-ein-fair-trade-siegel-muss-kommen/22870464.html
https://edison.media/erklaeren/kobalt-und-co-so-versuchen-deutsche-autobauer-kinderarbeit-auszuschliessen/22965942.html
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/kinderarbeit-fragen-und-antworten/166982?
https://www.elektroauto-news.net/2021/svolt-kobaltfreie-batteriezellen-ab-sofort-weltweit-bestellbar
https://www.technik-einkauf.de/rohstoffe/rohstoffe-a-z/einkauf-kobalt-blauer-shooting-star-374.html

https://www.usgs.gov/centers/nmic/cobalt-statistics-and-information

https://www.bgr.bund.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/Commodity_Top_News/Rohstoffwirtschaft/53_kobalt-aus-der-dr-kongo.html 

https://www.amnesty.org/download/Documents/AFR6231832016ENGLISH.PDF

https://www.electrive.net/2021/07/23/svolt-startet-serienproduktion-von-kobaltfreien-nmx-zellen/

https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/kobalt-nachfrage-rund-20-prozent-des-kobalt-abbaus-im-kongo-gelten-als-problematisch/25079806-2.html
https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/Commodity_Top_News/Rohstoffwirtschaft/53_kobalt-aus-der-dr-kongo.pdf